Leben mit Krebs bei Hunden, Katzen, Kaninchen und kleinen Heimtieren

Immer häufiger werden Tierbesitzer mit der Diagnose Krebs konfrontiert und damit einer hohen emotionalen Belastung ausgesetzt. Ängste kommen hoch, da viele schon persönlich in der Familie, im Freundeskreis oder bei anderen Tierbesitzern die Diagnose Krebs und deren Behandlungen miterleben mussten.
Obwohl die Onkologie, die Wissenschaft, die sich mit Krebs beschäftigt, in der Tiermedizin eine vergleichsweise junge Sparte ist, geht die Entwicklung rasant voran. Tumorerkrankungen, die vor wenigen Jahren noch unheilbar schienen, können heute bereits mit sehr guter Lebensqualität für die Patienten behandelt werden. Krebs zählt mehr und mehr zu den chronischen Erkrankungen, da die betroffenen Patienten zwar nicht immer geheilt, aber deren Krankheit sehr oft unter Kontrolle gehalten werden kann. Erfreulicherweise gibt es sowohl in der Human-, wie auch in der Veterinärmedizin immer mehr positive Ergebnisse bei der Behandlung. Dennoch überwiegen beim Gedanken an Krebs doch meist die negativen Aspekte. Daher ist es wichtig, die Diagnose und die Behandlungsmöglichkeiten mit einem onkologisch fachkompetenten Tierarzt besprechen und beraten zu können.

VÖK Sektion Kleintieronkologie

Die Sektion Kleintieronkologie ist eine onkologische Arbeitsgemeinschaft aus Veterinärmedizinischer Universität Wien, Tierärztekammer Österreich und praktizierenden Tierärzten, die sich vertiefend mit dem Thema Onkologie bei Kleintieren beschäftigen. Tierärzte mit der Zusatzqualifikation „Österreichisches TK Diplom Kleintieronkologie“ gewährleisten Kompetenz und höchste Sorgfalt bei der Behandlung der ihnen anvertrauten Patienten.

Krebs bei Hund & Katze: Früherkennung & Symptome

Durch chirurgische Eingriffe, Chemotherapien, Bestrahlungen und die Entwicklung neuer Medikamente ist es inzwischen möglich krebskranke Tiere zu heilen oder ihr Leben mit hoher Lebensqualität zu verlängern.
Tierbesitzer können hier einen ganz entscheidenden, wenn nicht den wichtigsten Beitrag zu einer erfolgreichen Therapie leisten, und das ist die Früherkennung. Sie stellen oftmals zu Hause Veränderungen bei ihrem Haustier fest, die erste Anzeichen für Krebs sein könnten, wie z.B.:
• abnorme Schwellungen, die sich nicht zurückbilden
• nicht heilende Wunden und Entzündungen
• Muskelschwund, v.a. entlang der Wirbelsäule
• Gewichtsverlust
• Apathie
• Fressunlust
• Atmungsstörungen
• Blutungen oder ungewöhnliche Sekretion aus Körperöffnungen
• unangenehmer Geruch
• Kau- und Schluckstörungen
• Leistungsschwäche
• anhaltende Lahmheit
• vermehrtes Trinken
• auch Harn- oder Kotabsatzstörungen.
Stellt der Tierbesitzer eines dieser Symptome fest, sollte er nicht zögern den Tierarzt seines Vertrauens aufzusuchen. In vielen Fällen, kann eine einfache, unkomplizierte Erkrankung gefunden und behandelt werden. In dem einen oder anderen Fall kann durch die rechtzeitige Kontaktaufnahme mit dem Tierarzt eine Krebserkrankung zeitgerecht erkannt und heilend behandelt werden.

Diagnostik

Egal um welche Erkrankung es sich handelt, unabdingbar aber bei der Diagnose Krebs, ist eine genaue diagnostische Abklärung. Nur dadurch kann der Tierarzt sachlich über die Erkrankung des Patienten, über die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose aufklären und der Tierbesitzer für sein Tier und sich die beste Entscheidung treffen. In der Diagnostik setzt der Tierarzt, je nach Bedarf und Anforderung viele verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten ein. An erster Stelle steht eine fundierte klinische Untersuchung. Weiters kommen Blut – Harn- und Kotuntersuchungen, Röntgen, Ultraschall und in der bildgebenden Diagnostik auch Computertomografie und Magnetresonanztomografie zum Einsatz. Die relevanteste Tumordiagnostik ist jedoch die Gewebeuntersuchung. Diese kann im einfachsten Falle durch eine Feinnadelaspirationszytologie erfolgen. Hierzu werden mit einer feinen Nadel Zellen aus der Umfangsvermehrung entnommen und mikroskopisch beurteilt. Entgegen immer wieder kolportierter Laienmeinung, ergaben zahlreiche Studien keinen Hinweis darauf, dass durch korrekt durchgeführte Gewebeprobennahmen die Metastasierungswahrscheinlichkeit erhöht oder die Überlebenszeit des Patienten negativ beeinflusst werden könnte. Dort wo die zytologische Untersuchung kein hilfreiches Ergebnis erbringt, muss eine histologische Diagnose über Biopsie oder eine chirurgische Tumordarstellung mittels diagnostischer Operation zur Diagnosefindung angeschlossen werden.
Nicht immer bedeutet Tumor (lat.) = Neoplasie (griech.) = Geschwulst etwas Bösartiges. Es handelt sich in erster Instanz einmal nur um eine örtlich umschriebene Zunahme des Gewebsvolumens, welche auch nur durch eine Entzündung oder eine gutartige Zellvermehrung verursacht sein kann. Haben die Untersuchungen jedoch ergebe, dass es sich um einen malignen, d. h. bösartigen Tumor handelt, wird und muss der Tierarzt mit dem Besitzer ein ausführliches Beratungsgespräch führen. Denn an diesem Punkt muss der Tierbesitzer entscheiden, ob er bereit ist weitere therapeutische, sowohl zeit- als auch kostenintensive Schritte wie Chirurgie, Chemotherapie oder Strahlentherapie mit seinem Tier zu gehen.
Ist es der Wunsch des Besitzers diesen Weg nicht weiter zu gehen, wird der Tierarzt ein entsprechendes Palliativprotokoll erstellen, um dem Patienten die verbleibende Zeit so schmerzfrei und mit so viel Lebensqualität wie möglich zu gestalten. Entscheidet sich der Tierbesitzer für ein weiteres Vorgehen, so muss abgeklärt werden, ob noch andere, die Behandlung und den Behandlungserfolg erschwerende Krankheiten zusätzlich vorliegen. Weiters muss geklärt werden, wo überall im Körper der Tumor nachzuweisen bzw. wo mit Tumor zu rechnen ist.

Behandlungsmöglichkeiten von Krebs beim Haustier

Krebsbehandlungen bei Tieren unterscheiden sich deutlich von der Humanmedizin. Bei unseren Tieren hat der Erhalt oder die Wiederherstellung der Lebensqualität oberste Priorität. Erst danach kommt die Lebensverlängerung. Behandlungen, die die Lebensqualität stark einschränken oder einen langen Klinikaufenthalt bedingen würden, werden bei unseren Haustieren meist nicht durchgeführt. Sowohl bei Chemo- als auch Strahlentherapien werden im Vergleich zu den Behandlungen beim Menschen auch Dosisanpassungen vorgenommen, um Nebenwirkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Zudem gibt es heute bereits sehr gut verträgliche und wirksame Medikamente, um gegen Schmerzen und Übelkeit zu behandeln, bevor diese überhaupt auftreten.

Chirurgie

Abhängig von den erstellten Vorbefunden gibt es bei der Chirurgie zwei Therapieformen:
 Die kurative Chirurgie, welche als Ziel die Heilung des Patienten hat. Diese ist oftmals sehr großräumig und muss vom Chirurgen gute geplant werden. Die Tierbesitzer müssen sich mit dieser Option im Vorfeld intensiv auseinander setzten, denn die heilende Operation kann unter Umständen die Entfernung wichtiger Körperteile bedingen. Der große Vorteil ist jedoch, dass das Krebsgeschehen alleine damit geheilt werden kann.
 Die zytoreduktive Chirurgie hat zum Ziel die Tumormasse nur zu reduzieren, um damit dem Patienten eine bessere Lebensqualität zu gewährleisten und um mit einer anschließenden Chemo- und/oder Strahlentherapie bessere Erfolge erzielen zu können. Diese Operation kann jedoch nie heilend sein, da Tumorzellen im Körper zurückbleiben. Generell gilt gerade auch bei der Chirurgie: Je früher ein Tumor erkannt und entfernt wird, umso besser sind die Aussichten auf Heilung nur durch Chirurgie. Daher sollte bei einer festgestellten Umfangsvermehrung nie zugewartet werden.

Kryotherapie

Bei kleinen, gutartigen Hauttumoren ist die Kryotherapie eine gute Alternative zur herkömmlichen Chirurgie. Bei dieser Methode wird der Tumor unter Lokalanästhesie mit flüssigem Stickstoff über ein Verdampfungsgerät auf – 89° C gefroren und stirbt dadurch ab. Je nach Größe des Tumors sind in der Regel 1-4 Behandlungen im 1-2-wöchigen Abstand nötig um den Tumor vollständig zu entfernen. Die Anwendung selbst dauert nur wenige Sekunden und hinterlässt eine spannungsfreie Narbe, weshalb diese Methode bevorzugt in Bereichen wie Augenlid, Ohr, Nase oder bei Tumoren im Afterbereich angewandt wird, wo wenig Gewebe zum Verschließen einer chirurgischen Wunde zur Verfügung steht.

Chemotherapie

Chemotherapien werden durch die teilweise von früher bekannten, sehr heftigen Nebenwirkungen wie Übelkeit und Haarausfall beim Menschen, mit sehr viel Skepsis betrachtet. Inzwischen gibt es hervorragende Medikamente zur Vermeidung der Übelkeit. Zudem steht in der Veterinärmedizin die Lebensqualität vor der Lebenszeit, wofür die Dosierungen angepasst werden. Chemotherapien können sowohl als alleinige Behandlungsformen angewandt werden, wie z.B. beim Lymphom, aber auch als zusätzliche Therapie im Anschluss an eine zytoreduktive Chirurgie oder in Kombination mit der Strahlentherapie.
Wie viele und welche Medikamente in welchen Intervallen eingesetzt werden, hängt sehr stark von der Tumorart, der Funktionstüchtigkeit der ausscheidenden Organe Leber und Niere und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Oftmals muss auch unter einer begonnenen Therapie eine Anpassung, je nach Befinden des Patienten und seinen Blutwerten erfolgen, wodurch auch noch einmal die Nebenwirkungen reduziert werden können. Haarausfall tritt in ausgeprägtem Masse nur bei den Hunderassen auf, die dauerhaft wachsende, regelmäßig zu schneidende Haare, wie der Mensch, besitzen. Das sind z. B. ShiTzu, Havaneser, oder Pudel. Diese Rassen verlieren die Haare fast vollständig, bekommen sie aber nach der Chemotherapie auch wieder sehr intensiv zurück. Bei allen anderen Rassen ist der Haarausfall nur während der regulären Haarwechselperiode etwas verstärkter. Das restliche Jahr über kommt es zu fast keinem Haarausfall.

Metronomische Chemotherapie

Bei dieser Therapieform werden sehr geringe Dosen eines Chemotherapeutikums, dafür aber kontinuierlich in Tablettenform verabreicht. Dadurch wird das Stützgewebe (Stroma) und das Gefäßsystem des Tumors angegriffen und geschädigt. Wenn Stroma und Gefäße verschwinden, kann der Tumor nicht mehr oder viel schlechter weiterwachsen, und somit erzielt man mit dieser Therapie einen Erfolg. Durch die sehr tiefe Dosierung sind kaum Nebenwirkungen zu befürchten. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Chemotherapie ist die metronomische Chemotherapie aber eine lebenslange Therapie.
Die Behandlungsmethode ist erst bei einigen wenigen Tumor ausgewertet worden, wird aber auch in der Humanmedizin immer häufiger eingesetzt, hauptsächlich bei Tumoren, die relativ langsam wachsen, oder bei älteren Menschen. Bei unseren Haustieren kommt diese Therapieform vor allem dort zur Anwendung, wo das Tier eine herkömmliche Chemotherapie nicht vertragen würde, die Besitzer für eine herkömmliche Chemotherapie nicht bereit sind oder diese bereits versucht wurde und keinen Erfolg zeigte.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie wird häufig in Kombination mit Chirurgie und/oder Chemotherapie eingesetzt. Sie ist eine wichtige Therapieform bei vielen Tumorarten, speziell aber bei Tumoren der Knochen und des Binde-Stützgewebes. Denn gerade bei diesen Tumoren sind die chirurgischen Möglichkeiten oft nur sehr radikal zielführend, Chemotherapien nur mäßig wirksam gegen den Primärtumor, weshalb der Bestrahlung hier ein sehr hoher Stellenwert zukommt. Viele Besitzer entscheiden sich bei Knochenkrebs eher zur Bestrahlung als zur Amputation. Bei der Bestrahlung unterscheidet man im wesentlichen zwei Therapieformen:
• Die kurative Bestrahlung, welche als Ziel die Heilung des Patienten hat. Nachteil bei dieser intensiven Behandlung können Irritationen der Schleimhäute und der Haut sein. Die Behandlung umfasst meist 15-18 täglich angewandte Bestrahlungen mit Ausnahme des Wochenendes, weshalb eine solche Therapie zeitlich und organisatorisch gut geplant werden muss.
• Die palliative Bestrahlung dient vor allem der Schmerzlinderung, die sehr rasch einsetzt, der Verlangsamung des Tumorwachstums und der Verbesserung der Lebensqualität. In Österreich befindet sich die einzige Bestrahlungseinheit an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien, für die westlichen Bundesländer stehen die Veterinärmedizinische Universität München und die Veterinärmedizinische Universität Zürich zur Verfügung.

Onkologische multimodale, ganzheitliche Therapie

verbindet die Behandlungsmöglichkeiten der Schulmedizin mit denen der verschiedenen komplementären Therapieformen, wie z.B. der Homöopathie, der biomolekularen Therapie und einigen anderen mehr. Wichtig ist bei all diesen unterstützenden Behandlungen die Rücksprache und Abklärung mit dem Veterinär-Onkologen. Denn manche Präparate können in Kombination mit den schulmedizinischen Medikamenten einen unerwünschten Effekt bewirken, Manche Präparate verändern den Stoffwechsel und dadurch die Wirksamkeit der Chemotherapeutika. Andere wiederum können sehr hilfreich bei der Körperentgiftung während und nach der Chemotherapie sein.

An Hand dieser Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten kann man gut erkennen, warum die Behandlung von Tumorerkrankungen, die vor wenigen Jahren noch unheilbar schienen, heute mit sehr guter Lebensqualität für die Patienten möglich ist, und weshalb Krebs inzwischen zu den chronischen Erkrankungen zu zählen ist.

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